Über Chance KRISE

Willkommen zu „Chance KRISE“ – einem Blog, der einen der vielen Wege dokumentieren soll, den Menschen mit Depression gehen können.

Das Wort ‚Krise‘ bedeutet in seinem griechischen Ursprung noch etwa so viel wie ‚Meinung‘, ‚Entscheidung‘. Inzwischen wird mit dem Begriff der Krise die Zuspitzung einer negativen Entwicklung bezeichnet, ein Höhepunkt.

Eine Zäsur. Aber auch ein Wendepunkt…

Auf diesen Wendepunkt folgt eine Entwicklung, die entweder negativ sein wird – oder positiv.

Aus bildungstheoretischer Sicht haben Krisen das Potential, diejenigen Denkmuster aufzurütteln, anhand derer ein Individuum bisher seine Welt interpretiert hat. Sie bieten Chancen zur Reflexion, zur Veränderung, zum Wachsen. Krisen können daher eine Chance sein, die Welt und sich selbst neu zu sehen.

Im Jahr 2016 durchlebte ich eine meiner wohl größten Krisen. Ich verstand gezwungenermaßen zum ersten Mal, dass ich an Depressionen leide. Und daraufhin musste ich meinen bisherigen beruflichen Weg verlassen. Nein, ich habe mich ENTSCHIEDEN, ihn zu verlassen. Auch in persönlicher Hinsicht bin ich ins Nachdenken gekommen. Es gab so vieles, was mich krank gemacht hatte. An dieser Zuspitzung angekommen, konnte ich nun entscheiden, ob ich daraus einen WENDEPUNKT machen wollte. … und ich WOLLTE.

Depression hat viele Gesichter. Hier möchte ich meine ganz persönlichen Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und Erkenntnisse teilen, die ich auf dieser alles andere als geradlinigen Reise gesammelt habe und auch weiterhin sammeln werde.

Das Schreiben ist meine Form, mit der Krankheit umzugehen. Es ist der erste Schritt für mich, Klarheit zu schaffen. Destruktives aufzudecken. Krankmachende Konstrukte ins Wanken zu bringen. So ist dies zu allererst eine Art der Selbsthilfe.

Doch gleichzeitig hoffe ich, dass vielleicht jemand auf den Blog stößt so wie ich zuvor auf andere Erfahrungsberichte gestoßen bin. Dass sich vielleicht jemand irgendwo wiederfindet und erkennt, er oder sie ist nicht allein mit dem Erlebten. Dass diese Beiträge vielleicht dazu verhelfen, Scham abzubauen und womöglich dazu ermutigen, Schritt für Schritt weiterzugehen auf diesem oft steinigen und schmerzhaften Weg. Und vielleicht möchte jemand selbst in Kommentaren Erfahrungen teilen und einen Austausch entstehen lassen, der Mut macht.

Nicht zuletzt habe ich die Hoffnung, dass vielleicht auch jemand ein paar der Beiträge liest, der nicht von Depression betroffen ist, vielleicht aber Angehörige, Freunde oder Bekannte hat, die daran leiden und deren Leiden er nicht leicht verstehen – oder gar akzeptieren – kann. Vielleicht – aber auch nur vielleicht – können diese Beiträge zu einem besseren Verständnis des Krankheitsbildes beitragen, das so vielfältig sein kann wie das Leben selbst…