Scham und die Flucht vor mir selbst

gesicht_hand_scham

© Dean McCoy @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Während des zurückliegenden Wochenendes habe ich mich von meiner Schokoladenseite gezeigt, wenn es darum ging, meinem Gefühl von Scham kampflos zu erliegen. Ich war zu Besuch in der Heimat, die überlaufen ist von Menschen, die mich seit Jahren, Jahrzehnten, teils mein Leben lang kennen. Und vor der Begegnung mit genau diesen Menschen hatte ich unbändige Angst. Egal wie oft ich nach meinem letzten und ersten Klinikaufenthalt das Gefühl hatte, stark genug zu sein, um eine Konfrontation auszuhalten, so war die einzige Reaktion, die ich zustande brachte, doch wieder nur – Flucht.

„Scham und die Flucht vor mir selbst“ weiterlesen

„Die Klapse hat heut Wandertag“ – Kollektives Augenzwinkern gegen Depression

klapse-2-3
Eine kleine Aufmerksamkeit meiner Mitpatienten (Bild: May DelC)

Als mir im Oktober letzten Jahres vom Kriseninterventionszentrum geraten wurde, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, bis ich eine Therapiemöglichkeit erhalten würde, war ich skeptisch. In meinem Kopf aktivierten sich lauter Klischees und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass das Ganze mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein werden würde. Also ließ ich es erst einmal.

Dann kam ich in teilstationäre Behandlung und der Austausch mit den Mitpatienten, Menschen, die zwar alle so unterschiedliche Geschichten erzählten, aber deren Leiden in seiner Grundstruktur und seinen Grundmechanismen so ähnlich waren, war ohne Zweifel einer der Dinge, die mich auf meinem neuen Weg am weitesten getragen hat. Und seitdem haben wir eine feste Struktur der „gegenseitigen Selbsthilfe“ geschaffen, die uns bis zu einem gewissen Maß dabei hilft, durch unsere dunklen Täler immer wieder hinauszuwandern. „„Die Klapse hat heut Wandertag“ – Kollektives Augenzwinkern gegen Depression“ weiterlesen

#icantkeepquiet – Die eigene Stimme wiederfinden

milck-on-full-frontal
Milck und GW Sirens mit „Quiet“ bei Samantha Bee’s Full Frontal

Vor ein paar Tagen sah ich Milcks Performance von Quiet in Samantha Bee’s Full Frontal show. Anlass gewesen waren die Proteste in Washington D.C. in Reaktion auf die neue Präsidentschaft der USA sowie als Zeichen des Respekts von Frauenrechten und Menschenrechten im Allgemeinen – der Women’s March on Washington 2017. Als ich das Lied hörte, brauchte es nicht lange, bis meine Tränen flossen. Ich nahm die Zeilen persönlich, auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Zu lange war ich wie stumm gewesen, hatte die Verbindung zu mir und allem, was mir wichtig gewesen war, verloren. Ich wünschte mir nichts mehr, als mich zu spüren und meine Stimme wiederzufinden. Meine Tränen sah ich als ein gutes Zeichen. „#icantkeepquiet – Die eigene Stimme wiederfinden“ weiterlesen

… ergo: Therapie!

hr-perfekt-160215-000007-ko-jpg-24022b1e72a33861
– Bild 1 –

Im Oktober des Jahres 2016 habe ich meinen ersten Kontakt mit einem Psychiater gehabt, und zwar im Kriseninterventionszentrum meines Wohnorts. Danach ging es in die Krisentagesklinik. Eine meiner einschneidendsten Erfahrungen dieser letzten Monate war meine erste Sitzung in der Ergotherapie, die ich in der Krisentagesklinik besuchte. Sie stand repräsentativ für so vieles, was in den vorangegangenen Monaten schief gelaufen war … „… ergo: Therapie!“ weiterlesen

Geburtstag – Tag der Nacktheit

Wann habe ich angefangen, Geburtstage als unangenehm zu empfinden? Die Aufmerksamkeit, die auf mir lastet, die Erwartungen, die an mich gestellt werden, diesen Tag zu feiern, „meinen Ehrentag“. Als hätte ich irgendetwas Wunderbares geleistet.

Dieses Jahr war mein Wunsch, diesen Tag einfach zu übergehen, besonders groß. Doch auch dieses Jahr hat das nicht so recht funktioniert… „Geburtstag – Tag der Nacktheit“ weiterlesen

Achtsamkeit: Mein Bohnen-Moment

Gefangen in einer depressiven Episode neigt man dazu, sich negativen Denkmustern hinzugeben und den Blick für das Positive zu verlieren. Scheinbar unweigerlich bewerten wir Situationen als schlecht, hoffnungslos und geraten in einen Abwärtsstrudel, der immer weitere Kreise zieht.

Um dem zu entkommen, gilt es, Situationen neu zu bewerten. Das ist alles andere als leicht und verlangt stetige Übung. Und diese kann in ganz kleinen Schritten beginnen. „Achtsamkeit: Mein Bohnen-Moment“ weiterlesen

Auf Spurensuche

licht-und-schatten
Licht und Schatten (Bild: May DelC)

In den letzten Wochen und Monaten, seitdem ich mit der Möglichkeit konfrontiert worden bin, tatsächlich KRANK zu sein, habe ich mich oft gefragt – und frage mich noch – wo das Ganze seinen Anfang nahm.

Ich habe inzwischen meine „Erstbegegnung“ mit therapeutischen Maßnahmen gehabt und oft an Mitpatienten beobachten können, dass auch sie ständig auf der Suche sind. Nach dem Warum. Nach der einen Ursache. Wie konnte es dazu kommen? „Auf Spurensuche“ weiterlesen