Das ging schnell: Neuer Job, neue Chancen

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Chinese New Year in LA (Bild: May DelC)

So. Nach den Vorstellungsgesprächen der letzten Woche wollte ich an dieser Stelle eigentlich zunächst über Entscheidungsprozesse reflektieren und darüber, welche der beiden Stellen für mich an dieser Drehscheibe in meinem Leben wohl die gesündere wäre. Ich wollte abwägen, meine Bedürfnisse analysieren und versuchen, diese von meinen Ängsten abzugrenzen, um reflektiert in die Zukunft zu gehen.

Das ist inzwischen hinfällig. Denn ich habe eine Zusage erhalten – und entgegen meiner eigenen Erwartungen habe ich diese direkt angenommen, ohne auf die Entscheidung aus dem zweiten Gespräch zu warten. Und ich spüre, es ist die richtige Entscheidung. 

Entscheidungsprozesse: Bedürfnis vs. Angst

Die letzten Tage seit den Gesprächen war ich sehr verwirrt gewesen. Ich hatte noch am selben Tag meines ersten Gesprächs einen Anruf derselben Stelle verpasst und als ich zurückrief, war die Zuständige bis heute, Freitag, zwecks Fortbildung nicht zu sprechen. Ich fragte mich die letzten Tage, um was es wohl gehen sollte. Konnte das schon eine Zusage sein? Das wollte ich mir gar nicht ausmalen – es wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein. Also fragte ich mich: Was, wenn sie eine Frage zu meinen Krankheitsangaben haben? Dieser Gedanke machte mir Bauchschmerzen.

Was aber, wenn es tatsächlich eine Zusage ist? Ich musste, nein durfte, mich auch mit diesem Szenario beschäftigen und versuchte in mich zu horchen, um herauszufinden, ob ich diese Stelle annehmen würde – oder ob die andere Stelle nicht vielleicht die bessere für mich wäre.

Ich hatte in den letzten Monaten schon einmal eine einschneidende Entscheidung für mein Leben getroffen: den Vorbereitungsdienst als zukünftige Lehrerin zu verlassen und mich einem neuen Weg zu stellen. Das war unerträglich schmerzhaft gewesen, aber ich fühlte mich stark, als mir bewusst wurde, dass ich diese Verantwortung für mein Leben reflektiert tragen konnte. Ich hatte auf meine Bedürfnisse gehört.

Jetzt, als ich die beiden potentiellen Arbeitsstellen miteinander abwog, war mein innerer Kompass gar nicht mehr so stark, wenn es darum ging, zu spüren, was meine Bedürfnisse momentan waren.

Die erste Stelle war interessant, sehr sinnvoll und wichtig und vereinbar mit meinen sozialen Werten. Sie bot ein sicheres Einkommen in Vollzeit, geregelte Arbeitszeiten und eine sichere Arbeitsumgebung, die durch den täglichen Kontakt mit Menschen, die ich beraten würde, Dynamik erfuhr. Sie war aber auch in erster Linie ein Bürojob – trotz Dynamik.

Die zweite Stelle war imgrunde genau das, was mich im außerschulischen, aber schulnahen Bereich stets hoch interessiert hatte und was ich auf lange Sicht gerne machen würde. Es war ein dynamisches Arbeitsfeld, in dem ich selbständig konzeptionell arbeiten und Netzwerkarbeit mit ganz unterschiedlichen Bildungsakteuren betreiben würde. Sie war aber nur auf 20 Stunden begrenzt, die Arbeitsstelle wäre weiter entfernt und ich wäre sehr viel mehr auf mich alleine gestellt.

Diese zweite Stelle entsprach inhaltlich genau meinen Herzenswünschen – aber sie machte mir Angst. Ich hatte Angst davor, mich wieder unter Druck zu setzen, Angst davor zu haben, konzeptionell nicht innovativ genug zu sein und zu enttäuschen, vielleicht wieder davor zu scheuen, nach Hilfe zu fragen und wieder in den gleichen Abwärtsstrudel zu geraten.

Umbrüche und die Sehnsucht nach Sicherheit

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Ventura Sunset, CA. Bild: May DelC

Die erste Stelle bot mir eine intensive Einarbeitung, ein festes Team an Mitarbeitern, ein ausreichendes Einkommen und die Aussicht auf entlastende Routinen – kurz gesagt: Sie bot mir Sicherheit. Gerade nach den letzten 6 Monaten, die geprägt waren von Versagensgefühlen, einer nicht vorhandenen Trennung von Professionellem und Privatem, von Umbrüchen, Zukunfts- und Existenzängsten… gerade nach dieser Erfahrung hatte ich ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit, das ich so in meinem Leben noch nie zuvor verspürt hatte. Ich war immer eine Person gewesen, die das Neue wollte, die nach dem Ausbalancieren von Widersprüchen strebte, nach dem Durchbrechen gewohnter Denk- und Lebensweisen… aber auf einmal erschlug mich der Gedanke daran.

Ich fragte mich natürlich: Ist das hier gerade wirklich ein Bedürfnis – oder habe ich in Wirklichkeit schlicht und einfach Angst? Davor, dass sich Erlebtes wiederholt?

Nach einer intensiven Phase der Introspektion und auch Gesprächen mit Menschen, die mich gut kennen, bin ich nun zu dem Entschluss gekommen, dass ich gerade Sicherheit und Stabilität möchte. Das ist aktuell mein Bedürfnis. Ich möchte mich erst einmal darauf konzentrieren, wieder vollkommen gesund zu werden, mich wieder auszuprobieren in einem geregelten Tätigkeitsfeld und mein Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Dort stehe ich jetzt. Das ist ok, das ist das, was ich möchte, und wenn ich das geschafft habe, dann kann ich stabil und mit neuen Kräften wieder neue Wege gehen.

Als also die Sicherheit heute Morgen anrief, sagte ich ihr zu. Und es fühlt sich gut an.

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14 Gedanken zu “Das ging schnell: Neuer Job, neue Chancen

    1. Danke dir! 🙂 Ja, das stimmt schon. Ab jetzt möchte ich auch versuchen, nagende Gedanken zu stoppen, wenn sie destruktiv sind und nicht weiterführen. Allerdings möchte ich auch versuchen, ab jetzt Reibungen bewusster wahrzunehmen und aufkommende Gefühle und Gedanken als unberechtigt entlarven, falls sie das sind. Also doch eine Balance zwischen Reflektieren und Einfach-Tun. Aber ich weiß, was du meinst und ich werds versuchen! 🙂

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  1. Also von mir aus auch: Herzlichen Glückwunsch! Klingt SEHR GUT – und zur Erinnerung, kein Mensch kann wissen, ob sich seine Entscheidung als „richtig“ erweisen wird. Hilft das? Aber noch eine Frage: Gehört Depression tatsächlich zu den (ich weiß jetzt nicht wie das richtig heißt) „richtigen“ Krankheiten, die dann auch noch meldepflichtig sind? Ich denke eher, sie gehen selbst den Arbeitgeber nix an. Du kannst ja morgen auch einen schweren Unfall haben und dann über Monate ausfallen. Ich denke mir die Sache ja eher umgekehrt: Dass Dir ein guter Job helfen wird, nicht mehr so tief in eine Depression rein zu rutschen. Oder? Du solltest Dir nicht den Ast absägen, auf dem Du sitzt. Davon hätte ja wirklich kein Mensch was.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ganz lieben Dank! Du hast schon recht: Man kann die Auswirkungen von Entscheidungen nicht kontrollieren und zu jeder Entscheidung gehört Mut und Risiko. Ich möchte mich dem auch jetzt einfach erstmal hingeben. Das einzige, was ich diesmal vermeiden wollte, war eine Entscheidung aus Angst zu fällen, weil ich das in der Vergangenheit viel zu oft getan hatte. Ich glaube, diesmal ist es gewissermaßen anders. Und wie du sagst: Die Tätigkeit wird mir hoffentlich helfen, „oben“ zu bleiben und mich zu stärken! 🙂
      Wie das mit der Meldepflicht weiß ich nicht zu 100 %. Ich hatte mich nur oberflächlich mit den Arbeitnehmerrechten befasst und Quellen gelesen, die da wohl nicht das letzte Wort haben. Ich glaube, direkt haben Arbeitgeber nicht das Recht, gezielt zu fragen – außer wenn es sich um etwas handelt, das die bestimmte Tätigkeit tatsächlich einschränkt. Aber ich weiß es leider nicht mit Sicherheit. Und ich hoffe, das ist erst einmal etwas, was mich so nicht betreffen wird.
      Erstmal freu ich mich. 🙂

      Gefällt 1 Person

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