Die Macherin meldet sich wieder: Wie ich vorerst die Stabilität genieße

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fietsen“ aus der Dokumentation Oude Gracht Diversity. © Christiane Schupet

Die letzte Woche über war ich ziemlich erschöpft. Auch jetzt schreibe ich nur mit Mühe diesen Beitrag. Doch auch wenn mein Kopf gerade drückt und ich nichts lieber tun würde als mich in die Horizontale zu begeben, möchte ich mir hier einen Moment Zeit nehmen in dieser hektischen Woche und ein wenig… naja, vielleicht zur Besinnung kommen.

Denn zum ersten Mal seit langem ist die Quelle dieser Erschöpfung keine innere Niedergeschlagenheit, Leere, Hoffnungslosigkeit, kein Verlorensein in Gedankenstrudeln… stattdessen ist es das fast wohlige Gefühl, das man hat, wenn man tatsächlich aktiv gewesen ist. Das Gefühl, das man hat, wenn man sich nach einem langen Tag des Schaffens hinsetzt und tatsächlich spüren kann, im Geiste und im Körper, dass man Dinge in die Hand genommen hat, in die Wege geleitet hat, von den Schultern geworfen hat und so etwas wie Zufriedenheit empfindet. Ja, ich habe das Gefühl, ich beginne wieder, die Dinge in die Hand zu nehmen. Ich werde wieder Macherin. „Die Macherin meldet sich wieder: Wie ich vorerst die Stabilität genieße“ weiterlesen

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Karneval, Verluste und meine Distanz zu Traditionen. Ansichten eines kulturellen Mischwesens.

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Masken. (www.centralalabamapride.org)

Ich bin im Rheinland geboren. Da, wo ich herkomme, sagt man „Alaaf!“, wenn es bald wieder heißt, die fünfte Jahreszeit zu feiern, sich zu verkleiden, beim Umzug Süßigkeiten einzufangen, dem Prinzen zuzujubeln und all die Dinge zu tun, die man an Karneval nun mal so tut.

Auch ich habe ein paar wenige Jahre lang mitgefeiert. Das war in meiner Jugend. Dann, als ich es noch lustig fand, in Bierzelten zu feiern, mit Freunden bis in die Nacht zu Schlagermusik zu tanzen und auch mal etwas – oder auch etwas mehr – über den Durst zu trinken. Doch die meiste Zeit meines Lebens war das nicht der Fall. Die meiste Zeit meines Lebens war ich kein Freund vom karnevalistischen Brauchtum und spürte auch sonst eine Beklemmung, wenn es darum ging, mich in Traditionen einzufügen. Die entscheidende Rolle spielt dabei bei sogenannter „Migrationshintergrund“, den ich erst Stück für Stück sinngebend in meine eigene Biografie integrieren konnte. „Karneval, Verluste und meine Distanz zu Traditionen. Ansichten eines kulturellen Mischwesens.“ weiterlesen

Über den Berg: Wenn die Schritte leichter werden

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In der Tatra (Bild: May DelC)

Verrückt, was die Depression mit einem machen kann. Dinge, die einem sonst so gern und leicht von der Hand fielen, sind plötzlich unüberwindbar. Sätze wie: „Denk doch an all das, was du schon geschafft hast“, sind plötzlich sinnentleert. Aber wenn ich dann, nach einer scheinbar unendlichen Phase und harter Arbeit, auf einmal überrascht den Regenbogen vor der eigenen Haustür wahrnehme (und dieser Regenbogen ist an dieser Stelle tatsächlich nicht metaphorisch gemeint…) und über seinen Anblick nur noch verdattert lachen kann, dann wird mir bewusst, ich bin – vorerst – über den Berg. „Über den Berg: Wenn die Schritte leichter werden“ weiterlesen

Das ging schnell: Neuer Job, neue Chancen

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Chinese New Year in LA (Bild: May DelC)

So. Nach den Vorstellungsgesprächen der letzten Woche wollte ich an dieser Stelle eigentlich zunächst über Entscheidungsprozesse reflektieren und darüber, welche der beiden Stellen für mich an dieser Drehscheibe in meinem Leben wohl die gesündere wäre. Ich wollte abwägen, meine Bedürfnisse analysieren und versuchen, diese von meinen Ängsten abzugrenzen, um reflektiert in die Zukunft zu gehen.

Das ist inzwischen hinfällig. Denn ich habe eine Zusage erhalten – und entgegen meiner eigenen Erwartungen habe ich diese direkt angenommen, ohne auf die Entscheidung aus dem zweiten Gespräch zu warten. Und ich spüre, es ist die richtige Entscheidung.  „Das ging schnell: Neuer Job, neue Chancen“ weiterlesen

Vorstellungsgespräche führen mit der Depression im Nacken? Check!

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‚Mission accomplished‘ on memegenerator.net

Eine aufreibende Woche liegt bisher hinter mir. Zwei Vorstellungsgespräche habe ich nun gehalten und zuvor hatte ich ängstlich der Frage meiner potentiellen Arbeitgeber entgegen gesehen, wie mein biografischer Bruch zu erklären ist, den ich im Zuge meiner ersten mittelgradigen depressiven Episode erlitten hatte. Alles lief letztendlich glatter als ich befürchtet hatte – und doch war es ein schmaler Grat, der mich ins Schwitzen brachte…. Aber egal wie das Ganze ausgehen wird: Ich glaube, ich bin gerade tatsächlich stolz auf mich. „Vorstellungsgespräche führen mit der Depression im Nacken? Check!“ weiterlesen

„Das darf sein.“ – Von Selbstliebe und der Freundin in mir

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Memo einer Freundin

„Frau …, für Sie würde ich mir wünschen, dass Sie wohlwollender mit sich umgehen und Ihre Bedürfnisse besser wahrnehmen.“ Das waren die Worte, mit denen mein Therapeut in der Tagesklinik die erste Sitzung mit mir schloss. Er betonte das Wort „wohlwollend“ mit langgezogenen Vokalen und lächelte gutmütig. Doch es war nicht gerade die Art von zündender Erkenntnis, die ich mir von so einem Gespräch erhofft hatte.
Ich dachte mir: „Das war’s? Das ist alles, was er zu meiner Situation zu sagen hat?“ Ich kam mir in dem Moment nicht gerade ernst genommen vor. Doch ca. zwei Wochen später würde ich erst wirklich durchdringen, was er da zu mir gesagt hatte und welchen Wert dieser Satz für meine Lebensweise hatte. „„Das darf sein.“ – Von Selbstliebe und der Freundin in mir“ weiterlesen

Biografische Brüche – Vorstellungsgespräche und die Frage der Fragen

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Red traffic lights at a crossroads (Bild: May DelC)

Ich habe mich als Lehramtsanwärterin aus meinem Vorbereitungsdienst – auch bekannt als Referendariat – entlassen lassen. Für mich besteht die Möglichkeit, meinen Dienst zu jedem Zeitpunkt meiner Wahl wieder aufzunehmen, wenn ich das möchte und kann. Ob das der Fall sein wird, ist zu diesem Zeitpunkt eine Entscheidung, die ich weder treffen kann – noch möchte.

Diese Situation ist für mich eine persönliche Krise. Und ich hätte nie zuvor gedacht, dass ich an dieser Stelle meinen bisherigen Weg beenden würde. Doch so habe ich die Möglichkeit, innezuhalten, auf mein – oft unterdrücktes – Bauchgefühl zu hören und mich neu zu orientieren.

Ich bin momentan auf Arbeitssuche und habe nächste Woche zwei Vorstellungsgespräche. In den Augen der Menschen, die mich dort empfangen und mustern werden, werde ich wahrscheinlich vorerst einfach eine „Abbrecherin“ sein. Die Frage nach den Gründen meines Abbruchs ist eine Frage, auf die ich mich wohl einstellen muss. Wie werde ich sie beantworten? „Biografische Brüche – Vorstellungsgespräche und die Frage der Fragen“ weiterlesen